Wer heute an Detox denkt, bringt den Trend wohl nicht mit dem Österreicher Rudolf Breuss zusammen. Doch der Naturheilkundler aus dem Voralberg entdeckte bereits Mitte des letzten Jahrhunderts, wie Entgiftung unsere Gesundheit beeinflusst.

Rudolf Breuss, geboren am 24. Juni 1899, wuchs als Ältester von drei Geschwistern in Bludenz im Voralberg auf. Nach seiner Schulzeit arbeitete er eine Zeit lang als Bäcker; da war der erste Weltkrieg bereits in vollem Gange. Auch Breuss wurde mit gerade einmal 17 Jahren von der Armee eingezogen und an die Front geschickt. Im Einsatz verletzte er sich schwer und wurde 1917 nach Innsbruck ins Lazarett gebracht. Seine Verletzungen heilten zwar aus, jedoch blieb er mit einer angeschlagenen Gesundheit zurück. Anstatt sich mit diesem Zustand abzufinden, suchte Breuss nach alternativen Heilmethoden und wurde fündig in der Naturheilkunde. Er verschlang unzählige Bücher und vertiefte sich vor allem in die Lehren von Pfarrer Kneipp, Begründer der international bekannten Kneipp-Kur.

Fasten im Selbstversuch

Rudolf Breuss war begeistert von den Erfolgen der Naturheilkunde, die er an sich selbst feststellte. Besondere Aufmerksamkeit widmete er dem Fasten. Er machte schon relativ früh die Erfahrung, dass sowohl bei kleineren Beschwerden als auch bei chronischen Erkrankungen das mehrtägige Fasten eine umfassende Entlastung des gesamten Organismus bewirkte. Was heute als Detox, Entgiftung oder Entschlackung im Trend liegt, entdeckte Rudolf Breuss in den frühen 60er-Jahren vollends für sich. Er probierte aus, tüftelte weiter, las noch mehr Bücher und entwickelte schliesslich, aus unzähligen Selbstversuchen heraus, seine berühmte Gemüsesaftmischung mit dem Namen „Breuss-Kur“.

Detox von anno dazumal

Damals sah Breuss seine Mischung als alternative Heilmethode gegen Krankheiten, im Kern jedoch ging es um die optimale Kombination von fünf hochwertigen Gemüse, die den Körper mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt, ohne den Organismus zu belasten. Im Gegenteil, die ausgewählten Gemüse unterstützen die Entgiftungsorgane (Niere, Leber, etc.) bei ihrer Arbeit und fördern so Entschlackungsprozesse. Ohne dass sich Breuss dessen bewusst war, passt seine Gemüsesaftmischung von anno dazumal optimal in unsere Zeit und eignet sich bestens für mehrtägiges Saftfasten oder fürs Intervallfasten. Denn wir sind umgeben vom Überfluss, Essen ist immer und überall verfügbar. Sich durch den Nahrungsverzicht eine bewusste Auszeit und Insel zur Entschleunigung zu schaffen, kann sehr entspannend sein. Das beweist auch der seit Jahren anhaltende Detox-Trend.

Zwei im Auftrag der Gesundheit

Breuss widmete sich vor allem nach seiner Pensionierung verstärkt seiner Breuss-Kur und praktizierte aktiv als Naturheilkundler, um seine Erfahrungen mit anderen zu teilen. Sein Credo war es, möglichst vielen Menschen mit seiner Breuss-Mischung zu einem gesünderen Leben zu verhelfen. Mit Erfolg. Schnell sprach sich in der Region Voralberg und weit darüber hinaus herum, dass ein gewisser Herr Breuss eine bahnbrechende Erfindung gemacht hat, die sogar Krankheiten zu heilen vermag. Der Andrang war so gross, dass es Breuss bald nicht mehr schaffte, die unzähligen Liter Breuss-Mischung, die von seinen Patientinnen und Patienten nachgefragt wurden, in seiner kleinen Küche herzustellen. Mitte der 70er Jahre sucht sich Breuss daher einen Partner, der die Mischung in grösseren Mengen herstellen konnte, und traf auf Hugo Brandenberger, den Gründer der Schweizer Saftmanufaktur Biotta. Die beiden verband die felsenfeste Überzeugung, dass die Natur alles bereithält, was wir für ein gesundes und vitales Leben benötigen. Und dass dies nur durch konsequente biologische Landwirtschaft und die Erhaltung von gesunden Böden und Biodiversität möglich ist.

Die Breuss-Mischung lebt weiter

Seither wird die Breuss-Mischung exklusiv vom Schweizer Bio-Pionier Biotta hergestellt, markenrechtlich geschützt und in der ganzen Welt vertrieben. Rudolf Breuss hielt seine Erfahrungen mit der Breuss-Kur und seine Erkenntnisse aus der Naturheilkunde in mehreren Büchern fest, die noch heute in diversen Sprachen verfügbar sind. Er selbst hielt sich Zeit seines Lebens an eine ausgewogene und pflanzenbasierte Ernährung mit viel Gemüse und Obst und fastete bis ins hohe Alter regelmässig. Rudolf Breuss verstarb am 17. Mai 1990 kurz vor seinem 91. Geburtstag.