Schaffe ich das, fünf Tage auf feste Nahrung zu verzichten? Studentin und Bloggerin Nina hat es gewagt und ist an ihre Grenzen gegangen. Wie es ihr während der Wellness Woche erging und welche Tipps & Tricks sie für eine erfolgreiche Woche auf Lager hat, erfahrt ihr hier.

Zu dem Zeitpunkt, als die Kooperationsanfrage von Biotta in meiner Mailbox eintraf, war ich mir noch nicht so bewusst, worauf ich mich da genau einlasse. Ich war frohmutes und die Anfrage kam gut gelegen, da ich schon immer eine Saftkur einlegen wollte. Dann traf der Sonntag ein, und meine eigentlicher Vorbereitungstag stand an. Wie bei vielen, ist diese Isolationszeit während der COVID-19 Krise auch bei mir von vielen Ups und Downs geprägt. Und so war es plötzlich Sonntag, der eigentliche Anfang meiner Saftkur und es fühlte sich so an, als ob all meine angestauten Probleme der letzten Wochen (verlorenes Praktikum, gestrichener Nebenverdienst...) auf einmal über mich herbrachen. Zudem hatte ich plötzlich grossen Respekt vor der Saftwoche und es machten sich Selbstzweifel breit: “Eine Woche ohne Essen? Schaffe ich nie!”
Kurz gesagt: Ich habe mich dazu entschieden, mein Vorbereitungstag dementsprechend auf den Montag zu verlegen, da ich schlichtweg die psychische und physische Kraft nicht dazu hatte. Ich bin der festen Überzeugung, dass es solche “emotionale Entladungen” von Zeit zu Zeit braucht. Und so konnte ich (praktisch) unbeschwert am Montag dann offiziell in meine Biotta Wellness Woche starten, obwohl die Verlockung gross war, die Saftkur doch noch mal ne ganze Woche nach hinten zu verschieben. Da ich aber dann den Support meiner Mitbewohner nicht missen wollte, da sich diese spontan auch dazu entschieden haben, mitzumachen an der Saftkur, habe ich es dann doch durchgezogen.

Hier also meine Erfahrungen

Vorbereitungstag
Der Montag stand im Rahmen des Vorbereitungstages und Ziel war es, seinen Körper langsam darauf vorzubereiten, die nächsten Tage nur noch Flüssignahrung zu sich zu nehmen. Mein letzter Kaffee für die Woche, den gönnte ich mir noch, bevor es dann hiess eine Woche lang auf Koffein zu verzichten. Mittags gab es was Leichtes, einen frischen Salat und zu Abend gab es ganz nach Programm gedämpfte Möhren und Kartoffeln-ohne Gewürze und für mich auch ohne Quark (hatte gerade keine vegane Alternative zur Hand). Zwischendurch gab es auch schon die ersten Säfte, wobei ich mich sofort mit dem Dörrpflaumensaft anfreundete-soweit man sich halt mit einem Saft anfreunden kann.

Dienstag
Offizieller Start der Saftkur. Der Dienstag startete dann mit einem grossen, warmen Glas Zitronenwasser auf leerem Magen, was eine Wohltat für den Darm ist. Danach folgte das Saftfrühstück bestehend aus 2 TL Leinsamen (runterschlucken) und einem Glas Dörrpflaume, langsam und bewusst getrunken. Mittags gab es dann nur ein kleines Glas Saft und abends wieder 2TL Leinsamen, ein kleines Glas Saft und das Highlight der Woche-der abendliche Tomatensaft, den man auch als Suppe erhitzen kann. Den Tag hindurch wurde viel getrunken, da Biotta empfiehlt mindestens 2L Kräutertee zu sich zu nehmen (ebenfalls im Saft-Paket inbegriffen). Der erste Tag ganz ohne Nahrung verlief soweit gut, weniger schlimm als erwartet, aber zwischendurch immer mal wieder von Hungergefühlen geprägt.

Mittwoch
Der zweite Tag sollte laut Broschüre der Schlimmste sein, war meiner Erfahrung nach aber einer der Besten. Ich fühlte mich (auch ohne Koffein) voller Energie und hab es sogar gewagt in meiner 30-minütigen Unipause zu tanzen. Gewagt, da jede verlorene Kalorie in der Saftkur eine Verschwendung von wertvollen Ressourcen ist, der Überzeugung war ich anfangs noch (man merkt, ich brachte mich mental in Kriegszeiten-Stimmung, da ich dachte mein Körper wird eine Hungersnot durchmachen müssen). Die Energie hielt aber auch nach dem Tanzen noch an und so machte ich – übermütig wie ich bin – in der Mittagspause grad noch eine halbe Stunde Yoga obendrauf. Nachmittags kam das bekannte Hungergefühl zurück und es stellten sich etwas Kopfschmerzen ein (Körper ächzt nach Kaffee), diese wurden aber ganz einfach mit noch mehr Kräutertee weggetrunken. [An dieser Stelle soll noch mal gesagt sein, dass es wirklich wichtig ist, viel zu trinken!] Alles in allem war es also ein erfolgreicher Tag.

Donnerstag
Heute war das erste Down der Woche – ich bekomme plötzlich Gelüste. Mir fehlt mein Macaccino (ein Kaffeeersatzprodukt, welches ich jeweils trinke) und generell befinde ich mich etwas in einer Trotzphase. “Fünf Tage sind schon etwas lange” meine ich und generell vermisse ich das Essen. Nicht wegen dem Hungergefühl, sondern einfach mehr die damit verbundenen Rituale. Nichtsdestotrotz gibt es am Nachmittag doch wieder eine Runde Yoga, da nicht viel anderes in Frage kommt (man sollte sich während der Saftkur nur langsam körperlich betätigen).

Freitag
Der Höhepunkt meiner Trotzphase ist erreicht-ich sehe den Sinn nicht mehr so ein, was so eine Saftkur denn genau bringt, habe Hunger, Lust zu Essen, Kopfschmerzen und fühle mich schlapp. Sogar mit dem Hund Gassi gehen, wird plötzlich zur Anstrengung. Ich bin kurz davor, die Woche kurzfristig abzubrechen. Meiner Meinung nach war der vierte Tag der Saftwoche am schlimmsten. Man kann ihn sozusagen als letzte Hürde sehen, bevor es richtung Endspurt geht. Irgendwie hab ich dann doch noch die Kurve gekriegt und habe es weiter durchgezogen.

Samstag
Der letzte Tag! Eine Erleichterung! Ich fühl mich heute super, die Trotzphase scheint vorbei zu sein und das Essen fehlt mir gerade nicht. Trotzdem bin ich happy, wenn ich es geschafft habe, da mir einfach das Kochen fehlt und die Essensrituale (eine Mittagspause wird nämlich plötzlich ziemlich lang, wenn man nicht kochen und essen muss). Zudem habe ich plötzlich den Drang nach Bewegung, so gerne würde ich Joggen gehen, weiss aber, dass dies keine gute Idee sein wird. Gedulden muss ich mich. Abends kam dann aber der Futterneid, da meine Mitbewohner den Aufbautag ausgelassen haben und somit bereits Freitag mit der Kur durchwaren. Die Gerüche des leckeren Essens bringen mich fast um, aber durchhalten sage ich mir...

Sonntag
Es ist geschafft! Ich habe tatsächlich durchgehalten. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich es schaffen würde (ich weiss, dass ist keine gute Einstellung, aber so war es). Ich bin happy und erleichtert und kann es kaum erwarten, wieder mal richtig etwas zum Kauen zu haben. Gemäss Plan erfolgt der Einstieg in die normale Essensroutine am sogennanten Aufbautag langsam. Ich habe den Tag etwas angepasst, etwas mehr zu mir genommen, als ich sollte, aber dennoch darauf geschaut, gut verdauliche Kost zu mir zu nehmen.

Mein Fazit
Die Woche war insgesamt eine intensive Erfahrung gesprägt von vielerlei Gefühlen, Hochs und Tiefs. Was ich besonders spannend fand, war meine eigene Disziplin zu testen und mich etwas herauszufordern. Es ist wirklich wahnsinnig, was man erreichen kann, wenn man will. Auch hat die Woche meine Geduld auf die Probe gestellt und man lernt, seinen Bedürfnissen nicht unmittelbar nachzugehen (heutzutage leben wir ja in einer übersättigten und wohlhabenden Gesellschaft und wir haben das Privileg, jedes Bedürfniss unmittelbar zu stillen, auch unter dem Prinzip "Instant Gratification" bekannt).
Weiters fand ich es interessant zu erfahren, dass meine Leistungsfähigkeit generell hoch war die Woche und ich stellenweise sogar das Gefühl hatte, mich besser als sonst konzentrieren zu können.
Alles in allem fühlte ich mich wach und hatte generell Energie, war auch nicht so “aufgedunsen” von all dem Essen, dass ich sonst zu mir nahm (auch wenn meine vegane Ernährung gesund ist, ist es doch eine Belastung für den Darm). Ich würde diese Erfahrung jedem ans Herz legen, da es einem viel über sich selbst lehrt und einem zeigt, dass man doch zu mehr im Stande ist, als man meint.

Tipps & Tricks

  • Wann immer ich eine Hungerattacke hatte, war es essenziell mich sofort abzulenken. Dann hab ich meine Sachen kurz zur Seite gestellt, eine Serie geschaut, eine kleine Yogapause eingelegt...Das hilft um sich auf andere Gedanken zu bringen.
  • Viel, viel trinken! Unglaublich wichtig. Hilft gegen die Kopfschmerzen und Müdigkeit und gibt einem auch ein gewisses Sättigungsgefühl
  • Sich Unterstützung holen! Am Besten ist es, wenn man die Kur nicht alleine macht, dann kann man sich gegenseitig ermuntern und man wird auch nicht vom Futterneid eingeholt
  • Leichte Bewegung – Keine zu grossen körperlichen Anstrengungen sind erlaubt, da man während der Saftkur weniger Kalorien zu sich nimmt als sonst. Dennoch, ganz auf Sport verzichten muss man auch nicht, Dinge wie Yoga oder ein Spaziergang sind eine geeignete Alternative.
  • Die Woche im Voraus einplanen, sodass man nicht heimtückischen Fallen wie Omas Geburtstagskuchen zum Opfer fällt
  • Am Besten man macht die Saftkur während einer Woche, in der es eher ruhig zu und her geht. Ich hatte zwar unglaublich viel für die Uni zu tun, aber wegen der jetztigen Situation stand sonst nicht viel anderes an.
  • Emotional fit in die Woche starten. Mache die Saftkur nicht, wenn du merkst, dass du dich emotional gerade in einer labilen Phase befindest-Durchhaltewillen und Disziplin sind dann nämlich besonders schwach und man ist verlockt seinen Kummer wegzunaschen mithilfe von Leckereien.