In der Küche als würziges und vielseitiges Gemüse geschätzt, als Naturheilmittel bisher praktisch unbeachtet. Ein Hype aus den USA macht den Doldenblütler Sellerie nun zum Shooting Star. Verdient er die grosse Bühne?

Als Heilpflanze ist Sellerie eigentlich bereits seit dem Altertum bekannt. Überlieferungen zufolge nutzen ihn die alten Ägypter genauso wie die Römer und Griechen. Über die Jahrhunderte ging jedoch das Wissen um die Wirkungen der Selleriepflanze verloren und das Gemüse wurde bis vor kurzem vorwiegend in der Küche verwendet. Nun schwappt aber nach und nach der Sellerie-Hype aus den USA nach Europa über, ausgelöst durch einen selbsternannten Food-Guru, der dem Stangensellerie beinahe magische Kräfte nachsagt. Objektiv betrachtet ist Sellerie natürlich kein Allerheilmittel, dennoch hat die Faszination um das Gemüse einen wahren Kern. Die gesundheitlichen Vorteile trägt aber nicht nur der Stangensellerie, auch Bleich- oder Staudensellerie genannt, in sich. Ebenso die zweite bekannte Sorte, genannt Knollen- oder Wurzelsellerie, kann sich damit schmücken. Denn obwohl sich ihre Einsatzgebiete in der Küche recht stark unterscheiden (Knollensellerie als Suppengemüse, Stangensellerie als Salat) so sind die Parallelen, was die Nährstoffe betrifft, grösser, als ihr unterschiedliches Äusseres vermuten lässt.

Sowohl Knollen- als auch Stangensellerie enthalten die ätherischen Öle Limonen und Selinen, die vordergründig für den würzigen Geschmack verantwortlich sind. Doch sie haben auch viele gesundheitsfördernde Eigenschaften: Sie wirken schleimlösend, galletreibend und entwässernd. Während seines Wachstums reichert der Sellerie ätherische Öle an, um Bakterien und Pilze zu vertreiben – und so wirken sie auch in unserem Körper: Sie hemmen schädliche Bakterien und Pilze in Magen und Darm und desinfizieren die Schleimhäute im Mund- und Rachenraum. Auch beim Ausscheiden über Nieren, Blase und Harnleiter desinfizieren die sogenannten Terpene die Schleimhäute, lindern somit Entzündungen der Harnwege und verhindern vor allem bei Frauen, dass Bakterien die Blase befallen.

Besonders die harntreibende Wirkung von Sellerie, in der Medizin diuretische Wirkung genannt, sollte genauer betrachtet werden. Durch die Entwässerung eignet sich Sellerie, allen voran in Form von Saft, sehr gut für Fastenkuren, da die Entschlackung des Körpers durch Ausleiten und Ausschwemmen von Giftstoffen unterstützt wird. Aber auch bei Gicht und Rheuma ist eine gründliche Entwässerung ausserordentlich hilfreich, damit die auslösenden Stoffe (z. B. Harnsäure) besser ausgeschieden werden können. Sellerie ist zudem reich an natürlichem Calcium; zusammen mit Phosphor ist dieser Mineralstoff das wichtigste Baumaterial für Knochen und Zähne. 99 Prozent des gesamten Calciums unseres Körpers befinden sich in diesen Hartgeweben. Der Rest kommt gelöst in Blut und Gewebe vor. Calcium erfüllt dort lebensnotwendige Aufgaben: Es ist entscheidend für die Blutgerinnung, die Erregbarkeit von Nerven- und Muskelzellen und für die normale Funktion von Verdauungsenzymen.

Der Sellerie kann es in punkto Nährstoffe also prima mit allen anderen Gemüse aufnehmen. Ob als Knolle, Staude oder Saft; ein regelmässiger Verzehr lohnt sich sowohl kulinarisch als auch gesundheitlich.