Knackige Äpfel im Herbst, goldener Raps im Frühling. Die Natur beschenkt uns jedes Jahr reich mit fruchtbaren Feldern und Bäumen voller Früchte. Ohne Bienen wäre das nicht möglich. Als Bestäuber sind sie unersetzlich für die Umwelt, die Natur und damit auch für den Menschen. Neben der Biotta Manufaktur am Bodensee verrichten fünf Bienenvölker ihre wichtige Arbeit.

Es herrscht reges Treiben, die Luft brummt. Bereits beim ersten Sonnenstrahl auf das Biotta Bienenhotel fliegen die fleissigen Tierchen aus, um Nektar und Pollen zu sammeln. Seit 2016 steht das Holzhäuschen auf einer Wiese neben der Saftmanufaktur von Biotta. Ernst Kreis, pensionierter Zimmermann und Hobby-Imker, hat es selbst gebaut und installiert. Er bringt seine Bienen jeweils für die Sommermonate von April bis Oktober ins Bienenhotel. Die restliche Zeit des Jahres überwintern die Tiere bei ihm im Bienenstand in Ermatingen TG. Angestossen wurde das Projekt von einem ehemaligen Mitarbeiter von Biotta, der familiär mit Ernst Kreis verbunden ist. Neben der finanziellen Unterstützung verschiedenster Bienenprojekte in der ganzen Schweiz, lag der Entscheid für Biotta nahe, selbst einen Standort für Bienen zu unterhalten. „Schon unser Gründervater Dr. Hugo Brandenberger wusste um die Wichtigkeit von Biodiversität und nachhaltiger Landwirtschaft. Mit dem Biotta Bienenhotel möchten wir ein Zeichen setzen“, so Geschäftsführer Clemens Rüttimann. Das Bienenhotel ist ein kleiner Baustein des ökologischen Engagements von Biotta. Das Unternehmen unterstützt mit seiner konsequent organischen Ausrichtung die Bio-Landwirtschaft der Region und baut aktuell an einer Holzschnitzelheizung, die die CO2-neutrale Produktion bis 2020 ermöglichen soll.

Aufschwung für Imker

Die Betreuung der Biotta Bienen übernimmt Ernst Kreis zusammen mit seinem ältesten Sohn. Der 66-Jährige ist Imker aus Leidenschaft, und das schon seit seiner Jugend. „Während meiner Lehre als Zimmermann bekam ich meine ersten Bienen“, sagt er. Damals habe man sich die Imkerei noch selbst beigebracht. Mittels Lehrbüchern und Fachzeitschriften hat sich Ernst Kreis all das Wissen angeeignet, dass er heute als „Götti“ an jüngere Imker weitergibt. Seither hat sich die Imkerei stark professionalisiert. Heutige Interessierte aus der Deutschschweiz besuchen zwei Jahre einen Kurs in den lokalen Imkervereinen unter dem Patronat der Dachorganisation „BienenSchweiz“. Die Organisation entwickelt und vertreibt praxisbezogene Lehrmittel und bildet Berater aus, die den Jungimkern die Arbeit an den Bienen in einem sogenannten Lehrbienenstand vermitteln. In der Romandie und der Italienischen Schweiz gibt es entsprechende Pendants.

Imkern als Hobby boomt. Besonders Filme wie „More than honey“ haben gezeigt, wie fatal die Folgen des globalen Bienensterbens sind und haben die Wichtigkeit der Insekten ins öffentliche Bewusstsein gebracht. Ernst Kreis begrüsst die Entwicklung. „Unsere Bienen könnten ohne Imker nicht überleben.“ Schuld daran sind die Varroa-Milben, die Mitte der 80er-Jahre erstmals in der Schweiz entdeckt wurde. Sie wurden aus Asien eingeschleppt und leben als Parasit auf den Bienen. Ohne regelmässige Säurebehandlung durch die Imker, um die Varroa-Milben zu bekämpfen, würden die Bienen innert ein bis drei Jahren sterben. Umso zentraler ist die Arbeit der rund 19‘000 Imker in der Schweiz. Die meisten von Ihnen imkern aus purer Freude an der Sache. Oder aufgrund ökologischer Gedanken, so wie Ernst Kreis: „Natur und Umwelt sind mir wichtig, das war schon immer so“. Deshalb verzichtet der vierfache Grossvater auf Flugreisen und nutzt sein Auto so wenig wie möglich.

Bienen für beste Bestäubung

Sind die fünf Bienenvölker im Biotta Bienenhotel untergebracht, schaut Ernst Kreis zwei bis dreimal in der Woche nach dem Rechten. Er überprüft beispielsweise, ob aus einer der Larven eine neue Königin entsteht. Entdeckt Ernst Kreis die Larve rechtzeitig, entfernt er sie und gründet mit ihr ein neues Volk. Pro Bienenvolk kann es nur eine Königin geben. Diese wird bis zu fünf Jahre alt. Ihre Untertanen bringen es auf eine Lebenszeit von fünf Wochen bis neun Monaten, je nachdem ob es sich um Sommer- oder Winterbienen handelt. Zu Spitzenzeiten zählt ein Bienenvolk 40‘000 bis 60‘000 Tiere. Diese grosse Zahl macht laut Ernst Kreis gerade für die umliegenden Felder einen Unterschied. Da Honigbienen – im Gegensatz zu Wildbienen und Hummeln – als Volk zusammenleben haben sie einen grösseren Einfluss auf die Befruchtungen in der Umgebung. Zudem sind sie das einzige Befruchtungsinsekt, das blütenstet ist. Das heisst, sie bleiben während eines Sammelfluges auf derselben Pflanzenart. Damit vermeiden sie Fehlbestäubungen und sorgen bei den Bauern für eine ertragsreiche Ernte in guter Qualität. Neben Feldern und Obstanlagen finden die Biotta Bienen in der Umgebung viele Gärten und Parkanlagen. Damit sei der Standort bei der Biotta Manufaktur ideal, sagt Ernst Kreis. Zudem fliesst in unmittelbarer Nähe der Dorfbach. Diese Wasserquelle ist besonders im Frühling wichtig, da die Bienen für die Aufzucht der Brut relativ viel Wasser benötigen.

Ein Geben und Nehmen

Zweimal pro Jahr erntet Ernst Kreis den Honig der Biotta Bienen. Den Frühlingshonig in der zweiten Maihälfte, den Sommerhonig zwischen Mitte Juli und Anfangs August. Im Schnitt produzieren die fünf Völker je ca. 12 Kilogramm Honig pro Jahr. Nach der Sommerernte beginnt das Auffüttern. Ernst Kreis bereitet den Bienen ein Festmahl aus Zuckersirup zu, der aus Traubenzucker, Fruchtzucker und Rübenzucker besteht. Damit wird den Bienen der geerntete Honig, den sie als Winterfutter verwendet hätten, ersetzt. Ernst Kreis kann sich auch nach 25 Jahren intensiver Imkertätigkeit jeden Tag aufs Neue für die fleissigen Insekten begeistern. „Es fasziniert mich noch immer, die Entwicklung der Bienen das ganze Jahr über zu beobachten und zu unterstützen.“ Die Natur dankt es ihm, würden wohl die Gärten und Wiesen rund um die Biotta Manufaktur ohne seine Bienen nicht so prächtig blühen.