Wie funktioniert der Anbau der Bio-Granatäpfel für den Biotta Granatapfelsaft? Wie verläuft die Verarbeitung und was passiert, bis der Saft in Tägerwilen ankommt? Clemens Rüttimann, Geschäftsführer von Biotta, machte sich auf den Weg in die Türkei, um Antworten zu erhalten. Ein Erfahrungsbericht.

Die Türkei ist ein riesiges Land. Das wird klar, wenn man von Istanbul nochmals rund zwei Stunden Flugzeit in den Südosten des Landes vor sich hat. In den letzten Jahren ist eine moderne Infrastruktur entstanden. Städte wie Adiyaman oder Erzincan verfügen über moderne Flughäfen. Von Adiyaman geht es mit dem Auto auf gut ausgebauten Strassen nochmals zwei bis drei Stunden nach Südosten, nahe an die Syrische Grenze. Klimatisch bedingt erstreckt sich der Anbau des Granatapfels im Wesentlichen rund ums Mittelmeer, die Türkei ist mengenmässig eines der Hauptanbaugebiete. Aus der Gegend um Kozan (Provinz Adana) oder weiter nördlich bei Erzincan stammen heutzutage die meisten Bio-Granatäpfel. Der Anbau wurde hier vor rund 20 Jahren durch innovative Unternehmen in Angriff genommen. Durch gezielte Aufforstung sind Granatapfelgärten entstanden, die durchschnittlich ca. 50 Hektar gross sind und je von einem Bauern bewirtschaftet werden. Der Anbau ist streng geregelt und wird von der staatlichen Landwirtschaftsbehörde genauestens kontrolliert und dokumentiert. Für jedes Feld gibt es eine präzise Vermessungen und eine Meldung beim Landwirtschaftsamt sowie Düngungs- und Bewässerungspläne. Zudem erfolgen jährlich eine Qualitätskontrolle und die Zertifizierung der Verarbeitung durch Bio-Suisse.

Handarbeit und ein geschultes Auge

Die Granatapfelbäume werden von Januar bis Februar zurechtgeschnitten. Danach beginnt die Blüte, während der die Bäume herrlich karminrot leuchten. Während der Wachstumsmonate bis Ende August ist wichtige Feldarbeit zu leisten: Die Schädlingsbekämpfung geschieht einerseits durch das Stellen von Fallen, da beim Anbau von Bio-Granatäpfel keine Spritzmittel eingesetzt werden. Andererseits werden die Böden durch mehrmaliges Aufhacken von Gras und Unkraut befreit, damit sich keine Bodenschädlinge einnisten können. Nach der Befruchtung wachsen je nach Baumschnitt pro Baum zwischen 50 – 100kg Früchte heran, wobei die schwersten Früchte bis zu 700g auf die Waage bringen. Granatäpfel wachsen unterschiedlich schnell, weshalb nicht alle gemeinsam geerntet werden. Mit dem prüfenden Blick auf die sogenannte Krone erkennen die Bauern ob der Apfel reif ist oder noch etwas Zeit braucht. Das erfordert ein geschultes Auge.

Alle Pflanzenteile werden verwertet

Zwischen Ende September und Mitte November werden die Granatäpfel geerntet. Die Gewinnung des Saftes erfolgt immer innerhalb von 48 Stunden nach Ernte – dies trotz teilweise enormer Transportdistanzen. Nach dem Waschen werden die Granatäpfel gebrochen und entkernt. Die roten Fruchtkerne gehen in die Saftpresse, wo sie schonend gepresst werden. Der für Biotta gewonnene Granatapfelsaft wird pasteurisiert, in 200kg schwere Fässer verpackt und umgehend in die Tiefkühlzelle gebracht. Bei günstigeren Säften ist der Aufwand des Lagerns geringer, denn diese werden nach dem Saften auf rund ein Achtel ihres Volumens konzentriert, wobei das Wasser verdampft wird. Bei diesem Prozess gehen allerdings wichtige sekundäre Pflanzenstoffe verloren. Deshalb verwendet Biotta ausschliesslich Saft «nicht aus Konzentrat». Nach der Lagerung in der Tiefkühlzelle gelangen die Fässer auf dem See- und Bahnweg über Rotterdam zur Biotta. Die für den Saft nicht verwendeten Granatapfelkerne werden in der Produktion nach dem Pressvorgang getrocknet. Sie können als Rohstoff für die Kosmetikindustrie weiterverarbeitet werden. Dafür wird das Öl aus den Kernen gepresst. Die übrigbleibenden Feststoffe sowie die Schalen der Granatäpfel dienen als Viehfutter und Dünger für die Bio-Felder.

Biotta legt Wert auf langjährige Beziehungen in der gesamten Wertschöpfungskette. Dadurch entstehen für die Bauern eine langfristige Planbarkeit und eine gesicherte Abnahme zu fairen Bedingungen. Zudem ist der persönliche Kontakt entscheidend. Sowohl die Anbaugebiete wie die Verarbeitungsbetriebe sind uns bekannt und werden von der Geschäftsleitung und/oder von der Verantwortlichen des Einkaufs regelmässig besucht. Saisonale Schwankungen und andere Herausforderungen können durch den engen Kontakt gemeinsam besprochen werden.